Stellungnahme des Deutschen Bundesjugendring zum Bericht der Kommission Impulse für die Zivilgesellschaft »Perspektiven für Freiwilligendienste und Zivildienst in Deutschland«

Hauptausschuss des DBJR am 29.09.2004 
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Anfang des Jahres 2004 stellte die Kommission Impulse für die Zivilgesellschaft ihren Bericht »Perspektiven für Freiwilligendienste und Zivildienst in Deutsch-land« vor. Der Auftrag der Kommission Impulse für die Zivilgesellschaft, die durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eingesetzt wurde, war es, auf der Grundlage der Empfehlungen der Enquete Kommission des Deutschen Bundestages »Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements die Rah-menbedingungen des bürgerschaftlichen Engagements unter gesetzlichen, indivi-duellen und institutionellen Gesichtspunkten weiterzuentwickeln. Dabei sollten die Beteiligungsmöglichkeiten aller Bürgerinnen und Bürger verstärkt werden. Berücksichtigung fand dabei die Tatsache, dass freiwilliges Engagement gerade bei jungen Menschen die Berufswahl beeinflussen kann. Zusätzlich hat die Kom-mission die aktuellen politischen Diskussionen über das mögliche Ende der all-gemeinen Wehrpflicht und damit das Ende des Zivildienstes bei ihren Überlegun-gen berücksichtigt und Handlungsempfehlungen formuliert.
Der Deutsche Bundesjugendring würdigt ausdrücklich die Arbeit der Kommission Impulse für die Zivilgesellschaft. Das vorliegende Ergebnis »Perspektiven für Freiwilligendienste und Zivildienst in Deutschland» verstehen wir als Diskussi-onsgrundlage für die gesellschaftliche und politische Diskussion zum Thema. Der Deutsche Bundesjugendring mischt sich mit dieser Stellungnahme in diese Dis-kussion ein, da das Thema Zukunftsfragen von Jugendlichen in vielerlei Hinsicht betrifft. Wir tun dies aber auch vor dem Hintergrund, weil Jugendverbandsarbeit einerseits Orte von freiwilligem Engagement und andererseits einige Jugendver-bände im Deutschen Bundesjugendring Träger von Freiwilligendiensten sind, Diese jugendverbandlichen Erfahrungen mit den Freiwilligendiensten fließen in diese Stellungnahme mit ein.
Gesamteinschätzung
Bereits die erste Empfehlung der Kommission Impulse für die Zivilgesellschaft findet die uneingeschränkte Zustimmung des Deutschen Bundesjugendring. Die Absage an die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für alle jungen Männer und Frauen sollte jetzt auch im politischen Raum dazu führen, endlich mit der Forderung nach einem Pflichtdienst Schluss zu machen. Für den Deutschen Bundesjugendring sind Freiwilligendienste Ausdruck sozialen Bewusstseins und bürgerschaftlichen Denkens. Soziale Leistungen der Freiwilligendienste über einen Pflichtdienst durchführen zu lassen, widerspricht der Idee der Zivilgesellschaft – der Zusammenhalt in der Gesellschaft kann nicht über einen Zwangsdienst verordnet werden, sondern er braucht bürgerschaftliches freiwilliges und ehrenamtliches Engagement.
Auch der von der Kommission geforderte Ausbau von Freiwilligendiensten wird vom Deutschen Bundesjugendring unterstützt. Er begrüßt auch, dass Freiwilligendienste zukünftig gesellschaftlich eine größere Rolle spielen sollen.
Für den Deutschen Bundesjugendring ist es jedoch unverständlich, dass die Kommission Impulse für die Zivilgesellschaft bei ihren Argumentationen und Begründungen eine deutliche Unterscheidung von Freiwilligendiensten und Pflichtdiensten vermissen lässt. Ein Pflichtdienst – wie der Zivildienst – ist ein staatlich gesteuerter und kontrolliert Dienst. Freiwilligendienste beruhen in ihrem Fundament auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und werden von nichtstaatlichen Organisationen unterschiedlicher Werteorientierungen durchgeführt.
Bei den weiteren Perspektiven für die Freiwilligendienste, die die Kommission entwickelt hat, gibt es eine überwiegende Unterstützung. In Einzelfragen sind weitere Diskussionen notwendig, um im gesellschaftlichen Diskurs die sinnvollsten Ergebnisse zu erzielen. Eine dieser Fragen betrifft die Empfehlung des generationsübergreifenden Freiwilligendienstes.
Auch für die Vorschläge zur Konversion des Zivildienstes bei einer möglichen Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht sieht der Deutsche Bundesjugendring einen dringenden Bedarf an weiterer gesellschaftlicher Diskussion.
Darüber hinaus ist es notwendig, Finanzierungsmodelle zu entwickeln und zu konkretisieren, die die Perspektiven für Freiwilligendienste ermöglichen und durchführbar machen.
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