Stellungnahme der BaS zum Ausbau generationsübergreifender Freiwilligendienste
Die BaS begrüßt die Empfehlung der Kommission »Impulse für die Zivilgesellschaft« zum Ausbau generationsübergreifender Freiwilligendienste.
Die BaS sowie die ihr angeschlossenen Seniorenbüros als Mitgliedsorganisationen verfügen aufgrund ihrer 10jährigen Erfahrungen bei der Förderung des freiwilligen Engagements Älterer über fundierte Kenntnisse der Lebenswelten Älterer.
Dadurch sind wir in der Lage, folgende wesentliche Kriterien für die Initiierung eines »Freiwilligendienstes Älterer« zu beurteilen: 
- Die Bereitschaft Älterer, nach der beruflichen Lebensphase gesellschaftliche Verantwortung durch freiwilliges Engagement zu übernehmen;
- deren Motivation und Bedürfnisse bezüglich der Übernahme freiwilliger bürgerschaftlicher Aufgaben;
- die notwendigen Rahmenbedingungen freiwilliger Arbeit für Ältere;
- die Erfolg versprechende Gestaltung der vielfältigen Einsatzfelder und Entwicklung neuer Tätigkeitsfelder sowie
- die Bedingungen für nachhaltige und kompetente Weitergabe des Erfahrungswissens Älterer und den Wunsch zur Übernahme neuer Verantwortungsrollen.

Vor allem ist in unserer Arbeit deutlich geworden, dass ältere Männer und Frauen nicht nur in ihren eigenen Lebenswelten tätig sein wollen, sondern generationenübergreifend die Tätigkeitsfelder aller Altersgruppen als Raum ihres Einsatzes an-streben.
Die vom BMFSFJ propagierte »neue Kultur der selbstverständlichen Freiwilligkeit« durch die Herausbildung einer neuen Form des freiwilligen Engagements als »Freiwilligendienst« stellt eine große Herausforderung dar, insbesondere bei der Gewinnung älterer Freiwilliger als neuer Zielgruppe in Freiwilligendiensten. Der Anspruch an eine über das bisherige Maß der Verpflichtung hinausgehende Vereinbarung – bezogen auf die Erfahrungen und Strukturen des bisherigen Zivildienstes, des Freiwilligen sozialen Jahres Jugendlicher und ähnlicher Freiwilligendienste - kann nur durch eine zielgruppenspezifische Konzeptionierung realisiert werden.
Um ältere Menschen für die Beteiligung an Freiwilligendiensten gewinnen zu können, ist es unerlässlich, auf deren Wünsche, Bedürfnisse und Haltungen einzugehen und darauf abgestimmte attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, die Ältere gleichberechtigt mitentwickeln sollten.
Hierbei ist insbesondere gedacht an 
 | flexible Einsatzzeiten und Einsatzdauer,
|  | Betonung der Freiwilligkeit,
|  | eine Ausweitung der Tätigkeitsfelder über den Bereich des Sozialen hinaus (z.B. Engagement im Bereich Kulturarbeit, Ökologie etc.),
|  | die Schaffung von Lernorten zur Einbringung des Erfahrungswissens,
|  | die Schaffung von Orten der Begegnung zwischen den Generationen,
|  | die Ermöglichung der Mitsprache und Mitgestaltung durch die Älteren,
|  | die Begleitung durch Hauptamtliche, Auslagenerstattung und Versicherungsschutz. |

Nicht allein die gut abgestimmten Rahmenbedingungen sind für eine Motivation Älterer zur Übernahme von Freiwilligendiensten ausschlaggebend, sondern das Erkennen eines Nutzens für sich selbst (der ein anderer sein wird, als der eines Jugendlichen im Kontext Freiwilligendienste) und die Gesellschaft.
Es darf nicht der Eindruck einer »Lückenbüßerfunktion« entstehen, sondern es muss eine win-win-Situation geschaffen werden, für die die Älteren vom Nutzen ihres Einsatzes für sich und andere überzeugt sind. Darüber hinaus sollte eine erweiterte Anerkennungskultur (staatlich initiiert) verankert werden.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros verfügt über vielfältige Erfahrungen bezüglich der Freiwilligenarbeit Älterer. Insbesondere aus ihrer Rolle als Trägerin des EU-Pilotprojektes »Europäisches Volontariats Älterer« mit dem Aufbau eines Freiwilligendienstes auf europäischer Ebene. In diesem Projekt haben 140 SeniorInnen aus acht europäischen Ländern bei kurzfristigen Einsätzen pro Woche jeweils bis zu 20 Arbeitsstunden im sozialen Bereich in einem von ihnen gewählten EU-Land geleistet.
Auch die hier gemachten Erfahrungen sowie die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben uns davon überzeugt, dass die Entwicklung eines generationenübergreifenden Freiwilligendienstes sowohl auf nationaler, als auch auf europäischer Ebene machbar ist. Dies kann aber nur gelingen, wenn für professionelle Arbeit – Konzeptionierung, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Fortbildung, Qualitätssicherung, Netzwerkarbeit, Arbeitsfeldentwicklung und -begleitung sowie Kooperation der Infrastruktureinrichtungen (wie Seniorenbüros, Freiwilligenagenturen, Selbsthilfekontaktstellen und andere kommunale Einrichtungen) – ausreichende Personal- und Sachmittel zur Verfügung gestellt werden.
Die BaS und die ihr angeschlossenen Seniorenbüros verfügen über die notwendige Kompetenz, die Einrichtung von Freiwilligendiensten für Ältere modellhaft zu entwickeln und prozessorientiert zu begleiten. Sie bieten darüber hinaus verlässliche Zugänge für die Gewinnung bzw. Beteiligung Älterer insbesondere bei generationsübergreifenden Freiwilligendiensten. Diese Voraussetzungen sind wesentliche Erfolgsgaranten.
Die Gewährleistung ausreichender Modellmittel sind die Voraussetzungen zur Beteiligung der BaS und der ihr angeschlossenen Seniorenbüros an einem Modellprogramm.
Ein nur oder auch nur überwiegend auf freiwilliger Basis geleistetes Vorhaben halten wir für nicht erfolgversprechend. Sie ist der Herausforderung zur Entwicklung »einer neuen Kultur der selbstverständlichen Freiwilligkeit« weder angemessen noch gewachsen und würde dem Anspruch der Nachhaltigkeit entgegenwirken.
Ein sozialer Pflichtdienst Älterer wird von uns nicht unterstützt. 
Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V.
Graurheindorfer Str. 79
53111 Bonn
Tel. (0228) 61 40 74-78
Fax (0228) 61 40 60
E-Mail : bas( at )seniorenbueros.org
URL : http://www.seniorenbueros.org/ 
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