Die Forschung zur Bürgergesellschaft und zum Dritten Sektor steht vor einem neuen Aufbruch. Helmut Anheier und Andreas Schröer vom Centrum für soziale Investitionen und Innovationen (CSI) der Universität Heidelberg skizzieren die Konturen der neuen Forschungsagenda. In ihr vereinen sich die Forschungsansätze des New-Public-Management, der Neo-Tocquevilleschen Bestrebungen der zivilen gesellschaftlichen Erneuerung und der Governancetheorien. Anheier und Schröer schlagen den Begriff der sozialen Investition als gemeinsames Kennzeichen der neuen Forschungsagenda vor. Die Forschung sollte sich auf der Makroebene mehr der Internationalisierung der Zivilgesellschaft widmen, auf der Organisationsebene den neu entstehenden hybriden Organisationen und auf der Mikroebene den Motivlagen, Werten und Karriereverläufen der Engagierten sowie den Zeit- und Geldspenden.
Im Frühsommer 2009 wird die Erhebung für den dritten Freiwilligensurvey durchgeführt. Ein Jahr später sollen die Ergebnisse dann vorliegen. Mit der dritten Welle wird ein wichtiger Baustein einer Längsschnittuntersuchung geschaffen, denn bislang sind fundierte Aussagen zum Wandel des Engagements innerhalb eines längeren Zeitraums nur bedingt möglich. Der Freiwilligensurvey, der im Abstand von fünf Jahren durchgeführt wird, wird vom Familienministerium in Auftrag gegeben. Staatssekretär Gerd Hoofe macht in seinem Beitrag deutlich, dass am bewährten und breit angelegten Untersuchungsdesign festgehalten wird. Gleichzeitig werden für den dritten Freiwilligensurvey Schwerpunkte auf Demokratie und Wertewandel, Monetarisierung und Entgrenzung sowie auf Lernpotenziale und Kompetenzerwerb gesetzt.
Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) erstellt einen Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des Zivilengagements in Deutschland. Der Bericht ist Teil der Initiative ZivilEngagement des Familienministeriums und wird im nächsten Jahr vorliegen. In dem Bericht sollen die Ergebnisse der unterschiedlichen Erhebungen und Forschungsrichtungen zu einem Gesamtbild zusammengeführt werden. Im Zentrum wird das Verhältnis von bürgerschaftlichem Engagement und familienunterstützenden Dienstleistungen stehen. Zur Bestandsaufnahme, die der Bericht leisten soll, gehört auch, dass Forschungsdefizite sichtbar gemacht werden. Entsprechend soll der Bericht auch den Auftakt für eine regelmäßige Berichterstattung bilden, mit der Entwicklungstrends aufgezeigt und durch Vorschläge konkrete Leistungen der Politikberatung erbracht werden sollen.
Der Dritte Sektor ist aus der Perspektive der Statistik immer noch ein weitgehend unbekanntes Gebiet. Aus diesem Grund haben der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Bertelsmann Stiftung und die Fritz Thyssen Stiftung das Projekt »Zivilgesellschaft in Zahlen« auf den Weg gebracht. Auf der methodischen Grundlage des UN-Handbuchs zu Nonprofit-Organisationen werden Institutionen als Ausgangsbasis für die Erhebung genommen. Damit soll beispielsweise die Wertschöpfung des Dritten Sektors präzise ermittelt werden. Mittelfristiges Ziel des Projektes ist es, ein Satellitensystem zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu etablieren und zukünftig verlässliche Daten zum Dritten Sektor bereitzustellen.
Staatssekretär Gerd Hoofe vom Familienministerium war Gast bei der 30. Sitzung des Arbeitskreises »Bürgergesellschaft und aktivierender Staat« der Friedrich Ebert Stiftung. Hoofe erläuterte, dass es das Ziel der Initiative ZivilEngagement (IZE) sei, das Thema Engagementpolitik dauerhaft in den ressortübergreifenden Arbeitsstrukturen der Regierungspolitik zu verankern. Darüber hinaus machte Hoofe deutlich, dass es eine dauerhafte Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen nur in absoluten Ausnahmefällen geben wird. Damit soll einer zu starken Abhängigkeit dieser Organisationen vom Staat vorgebeugt werden. Im Gegenzug sollten weitere Finanzierungsformen erschlossen werden.
Die Europäische Kommission will die Freiwilligentätigkeit junger Menschen weiter fördern. Im Juli 2008 hat sie eine Initiative gestartet, mit der vermehrt Gelegenheiten für den freiwilligen Einsatz junger Menschen in Europa geschaffen werden sollen. Junge Menschen unter 30 in der EU sollen bessere Möglichkeiten bekommen, sich in einem anderen als ihrem Herkunftsland zu engagieren. Dafür ermutigt die Kommission die Mitgliedsstaaten, ihre nationalen Freiwilligendienste besser zu koordinieren und verstärkt Dienste im europäischen Ausland anzubieten. Der Vorschlag ist Bestandteil der erneuerten EU-Sozialagenda zum Thema »Chancen, Zugangsmöglichkeiten und Solidarität im Europa des 21. Jahrhunderts«.
Seit dem 1. Januar 2007 ist das Gesetz »Hilfen für Helfer« in Kraft. Das Gesetz gewährt Steuererleichterungen für freiwillige Helferinnen und Helfern im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich sowie für Bürgerinnen und Bürger, die steuerbefreite Körperschaften, z.B. Stiftungen, durch eine Spende unterstützen oder selber eine Stiftung gründen. Zu diesem Gesetz hat nun das Finanzministerium ein neues Internet-Portal eingerichtet, mit dem weitere Informationen zu den steuerrechtlichen Erleichterungen für Engagierte angeboten werden. Beispielsweise gibt es umfangreiche Informationen zur Übungsleiter- und zur Ehrenamtspauschale sowie zu weiteren steuerlichen Begünstigungen des Ehrenamtes.
In einem Aufruf an Organisationen, Verbände und Multiplikatoren des bürgerschaftlichen Engagements bittet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) um Unterstützung gegen die drohende Einstellung der Projektförderung durch das Familienministerium. NAKOS ist die zentrale Einrichtung für die Unterstützung und Förderung der Selbsthilfe. NAKOS vernetzt die knapp 280 örtlichen Selbsthilfekontaktstellen und -unterstützungseinrichtungen mit mehr als 38.000 Gruppen und Initiativen. Daneben aktualisiert NAKOS täglich die Kontaktmöglichkeiten zu den insgesamt rund 360 bundesweit organisierten Selbsthilfevereinigungen. NAKOS bittet alle Unterstützer darum, die Gefährdung der Organisation in den Gremien und bei anderen sich bietenden Gelegenheiten anzusprechen.
Der Verein Mehr Demokratie e.V. blickt auf eine 20jährige Erfolgsgeschichte zurück. Es begann in Bonn mit wenig Geld und einer Handvoll Engagierter in einem Kellerbüro. Heute hat der Verein 4.800 Mitglieder und kann stolz auf die flächendeckende Einführung der Volksgesetzgebung und des Bürgerentscheids in allen Bundesländern hinweisen. Der Gründer und Bundesvorstandssprecher von Mehr Demokratie e.V., Gerald Häfner, kann daher mit einigem Recht feststellen, damit die Republik verändert zu haben. Doch weitere Aufgaben warten. Gerade mit Blick auf die EU gibt es Demokratiedefizite, die behoben werden sollen.
»Aus Politik und Zeitgeschichte« (APuZ) widmet sich in der jüngsten Ausgabe (31/2008) dem Thema Corporate Social Responsibility. Empirische Erhebungen zeigen, dass sich weit mehr als 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland engagieren. Den höchsten Anteil haben dabei Geld- und Sachspenden (Corporate Giving), gefolgt von der Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements der Mitarbeiter (Corporate Volunteering). In den sechs Beiträgen des Heftes wird auf die amerikanische und deutsche Tradition des Unternehmensengagements eingegangen. Es werden Ergebnisse einer Unternehmensbefragung vorgestellt sowie ein Überblick über die wissenschaftliche Forschung zum Thema Corporate Citizenship gegeben.
Die Robert Bosch Stiftung sucht für ihr Freiwilligenkolleg 2009 20 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Den Kollegiatinnen und Kollegiaten werden eine Einführungswoche und drei Seminare in Berlin geboten, in denen sie unter anderem Trainings in Rhetorik, Argumentations- und Verhandlungssicherheit, Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit bekommen. Bewerben können sich junge Menschen, die bereits einen Freiwilligendienst abgeschlossen und durch außerordentliches Engagement auf sich aufmerksam gemacht haben. Bewerbungsschluss ist der 27. Oktober 2008.
Für die Woche des bürgerschaftlichen Engagements wurden bereits mehr als 700 Veranstaltungen in die Datenbank eingetragen. Dies meldete das Kampagnenteam des BBE zu Beginn der ersten Augustwoche. Damit sind schon jetzt mehr Veranstaltungen für die Aktionswoche angekündigt als im letzten Jahr zu Beginn der Woche im September. Die größte Freiwilligen-Offensive Deutschlands findet in diesem Jahr vom 19. bis 28. September 2008 zum vierten Mal statt. Schirmherr ist wie in den vergangenen beiden Jahren Bundespräsident Horst Köhler. Organisationen und Initiativen können ihre Veranstaltungen zur Woche des bürgerschaftlichen Engagements in die Datenbank eintragen, die das Kampagnenteam betreut. Über einen digitalen Veranstaltungskalender werden die geplanten Aktivitäten dann allen Interessierten zugänglich gemacht.
Am 4. September 2008 veranstaltet das BBE in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft VBG eine Fachtagung zum Versicherungsschutz für Engagierte. Aktueller Anlass der Veranstaltung ist die weitere Öffnung der gesetzlichen Unfallversicherung für ehrenamtlich Tätige, die am 01. Oktober 2008 in Kraft treten soll (wir berichteten im BBE-Newsletter Nr. 12 vom 12. Juni 2008). Auf der Veranstaltung wird über bestehende Versicherungsmöglichkeiten für gemeinnützige Tätigkeiten informiert. Vertreter/innen von Bund und Land sowie weitere Expertinnen und Experten stellen den im Gesetz vorgesehenen, erweiterten Versicherungsschutz vor und diskutieren, welche Maßnahmen noch umzusetzen sind, um Engagierte ausreichend abzusichern. Flyer unter http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/PDF/aktuelles/veranstaltungen/2008/vbg_2008_fachtag_flyer.pdf
Am 3. September 2008 veranstaltet die Koordinierungsstelle »Perspektiven für junge Menschen« in Berlin einen open space Workshop zum Thema »SCHÖNE AUSSICHTEN für Mädchen und junge Frauen in Ostdeutschland«. Ziel des Workshops ist es, gemeinsam Ideen zu entwickeln, was Jugendarbeit und weitere regionale Akteure tun können, um Mädchen und jungen Frauen Zukunftsaussichten und Chancen in der Heimat aufzuzeigen. Eingeladen sind alle, die sich bereits mit dem Thema auseinandersetzen.
Die Otto Brenner Stiftung (OBS) prämiert auch dieses Jahr wieder Beiträge von kritischen und investigativen Journalisten, die gesellschaftlich relevante, aber vernachlässigte Themen in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Mit dem Preisgeld von 45.000 Euro für die insgesamt fünf zu vergebenden Auszeichnungen zählt der OBS-Journalistenpreis zu den höchst dotierten und renommierten Journalistenpreisen in Deutschland. Vergeben werden drei Preise für gut recherchierten Hintergrundjournalismus, ein »Spezial«preis für beste Analyse sowie ein Preis für Nachwuchsjournalisten. Weiterhin sind zwei Recherchestipendien für junge Talente ausgelobt. Einsendeschluss ist der 15. August 2008.
Vom 10. bis 12. September 2008 findet am Ersta Sköndal University College Stockholm, Schweden, eine Konferenz zu den gegenwärtigen Perspektiven und Trends des freiwilligen Engagements in Europa statt. Es wird um unterschiedliche Engagementformen – soziale Bewegungen, freiwilliges Engagement, Philanthropie – in den verschiedenen europäischen Ländern gehen. Auswirkungen des wohlfahrtsstaatlichen sollen dabei ebenso diskutiert werden wie Fragen der Professionalisierung. Nicht zuletzt wird die US-amerikanische Perspektive im Rahmen der Konferenz Berücksichtigung finden.
Das Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen (FJ NSB) feiert sein 20jähriges Bestehen. Die Festveranstaltung findet am 19. September 2008 in Berlin in der Friedrich Ebert Stiftung statt. Die Medienlandschaft hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend geändert. Auf der Veranstaltung soll über die Rolle und Funktion von kritischen Zeitschriften an der Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Praxis reflektiert werden. Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestags und Professor Dr. Roland Roth werden als Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates die Festveranstaltung mit Vorträgen eröffnen.
Am 1. Oktober 2008 findet in Potsdam die Veranstaltung »Gemeinsam für Brandenburg« statt. Auf dieser Veranstaltung wird es um Kooperationsbeziehungen zwischen Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und öffentlichen Verwaltungen gehen. Es soll ausgelotet werden, wie damit ein nachhaltiger Beitrag für ein funktionierendes Gemeinwesen geschaffen werden kann. Organisiert wird die landesweite Veranstaltung in der IHK Potsdam von Unternehmen am »Runden Tisch« zusammen mit gemeinnützigen Organisationen der AG Unternehmenskooperation und UPJ Berlin-Brandenburg.
Der nächste Newsletter erscheint in 14 Tagen am 21. August 2008. Redaktionsschluss ist der 14. August. Bitte schicken Sie Ihre Informationen an newsletter@b-b-e.de.
Redaktion Dr. Ansgar Klein und Dr. Rudolf Speth für das BBE.
Kontakt Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) – Bundesgeschäftsstelle – Michaelkirchstr. 17–18 10179 Berlin-Mitte www.b-b-e.de
Geschäftsführer Dr. Ansgar Klein Telefon: (0 30) 6 29 80-11 1 E-Mail: ansgar.klein@b-b-e.de