Zu Beginn gingen die Meinungen auseinander, ob eine BBE- Arbeitsgruppe zum Thema »Demografischer Wandel« überhaupt notwendig ist – inzwischen ist die Arbeitsgruppe eine Selbstverständlichkeit. Seit letztem Jahr beschäftigen sich die rund 30 Mitglieder mit der Rolle des bürgerschaftlichen Engagements in einer älter werdenden Gesellschaft. Die Arbeitsgruppe versteht sich als »Schnittstelle« zwischen den verschiedenen im BBE tätigen Gruppen. Sprecherin der Gruppe ist Gabriella Hinn, Geschäftsführerin der »Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros«.
Den Abwanderungstendenzen in vielen Kommunen könne »insbesondere durch die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, durch Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen und mit Hilfe des Ausbaus der Gemeinwesenarbeit« begegnet werden, schreiben die Autoren des Beitrags »Demografischer Wandel in den Kommunen – ein Wandel zur Bürgerkommune?«. Ralf Vandamme und Dagmar Vogt-Janssen gehen davon aus, dass das bürgerschaftliche Engagement im Zuge des demografischen Wandels an Bedeutung gewinnen wird. Ihr Beitrag beschreibt die Auswirkungen auf Kommunen und bürgerschaftliches Engagement.
In vier Texten bieten BBE-Gastautoren einen Überblick über Modellprojekte bürgerschaftlichen Engagements, in denen auf den demografischen Wandel reagiert wird. Heiderose Gärtner von der Ehrenamtsbörse »VEhRA« beschreibt ein Wohnprojekt Älterer in Ludwigshafen. Raphaela Kühn berichtet von ihrem Projekt eines internationalen Freiwilligendienstes für unterschiedliche Lebensphasen. Ulrike Günther-Schmalz vom Deutschen Roten Kreuz erläutert die Arbeit im Projekt »Schule aus – was nun?« in Sachsen-Anhalt. Annette Zenk und Gabriella Hinn schließlich stellen ein Kooperationsprojekt zwischen Evangelischen Freiwilligendiensten und der »Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros« vor, in dem generationenübergreifende Freiwilligendienste organisiert werden.
Vom zunehmenden Engagement älterer Menschen profitiert neben dem Bereich »Soziales« vor allem der kirchliche und religiöse Bereich. Darauf wies Bischof Wolfgang Huber, der Vorsitzende des »Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland«, während des 2. Symposion der »Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit« hin. Allerdings habe eine Sonderauswertung des »Freiwilligensurvey«, der größten Umfrage zu bürgerschaftlichem Engagement in Deutschland, auch Handlungsbedarf für kirchliches Engagement aufgezeigt. So sei ein Drittel der befragten Freiwilligen mit den Möglichkeiten zur Mitsprache und Mitentscheidung innerhalb des kirchlichen Engagements unzufrieden. Hubers Schluss: »Die Kirche muss beteiligungsfreundlicher werden«.
Auf die Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement im demografischen Wandel weisen die Grünen in einem Fraktionsbeschluss hin (»Demografischer Wandel als Chance«). Der Bedarf von Freiwilligenarbeit vor Ort werde durch die Alterung und Schrumpfung der Gesellschaft weiter zunehmen. Allerdings dürfe bürgerschaftliches Engagement nicht als Ersatz für professionelle Leistungen wie etwa in der Altenhilfe oder bei Pflegediensten missbraucht werden. Als eines von mehreren Modellprojekten wird auch das BBE-Projekt »Civil Academy« gelobt, da es zeige, »wie wichtig fundierte Fortbildungsangebote sind und welche stimulierende Wirkung sie haben können«.
Wer in einem Verein einen neuen Vorstand wählt, wird auch in Zukunft nicht darum herum kommen, die Wahl notariell beglaubigen zu lassen, bevor sie angemeldet werden kann. Das ist eine der Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zum Thema Reform des Gemeinnützigkeitsrechts, die nun vorliegt (Drucksache 16/4545, BBE-Newsletter berichtete). Die FDP hatte in ihrer Anfrage nach Details der Ausgestaltung der Gemeinnützigkeitsreform gefragt, die von der Bundesregierung angestrebt wird. Mit der Reform sollen die Grundlagen für bürgerschaftliches Engagement verbessert werden.
Mit einem umfassenden Fragenkatalog will die FDP-Fraktion im Bundestag mehr über den neuen geplanten Freiwilligendienst im Ausland erfahren, dessen Vorbereitung Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) vor kurzem bekannt gab (BBE-Newsletter berichtete). In einer 32 Punkte umfassenden »Kleinen Anfrage« wollen die Liberalen unter anderem wissen, welche Ziele mit der Gründung des Dienstes verfolgt werden, wie der Zeitplan aussieht und wie der geplante Dienst finanziert werden soll. Derzeit wird geschätzt, dass für den Dienst mittelfristig bei 10.000 Plätzen rund 70 Millionen Euro aufgewendet werden müssen. Zu Beginn des Jahres 2008 soll der Dienst eingerichtet sein.
In seinem Vortrag »Zum politischen Mandat zivilgesellschaftlicher Organisationen in der Kulturpolitik« setzt sich Prof. Dr. Max Fuchs, der Vorsitzende des Deutschen Kulturrates, mit der Rolle der Verbände im deutschen Gesellschaftssystem auseinander. Fuchs kritisiert den verstärkten Einfluss des Staates auf die Verbände im nationalen Rahmen und stellt dar, wie gering die Mitwirkungsmöglichkeiten von NGO´s im europäischen und internationalen Kontext sind. Fuchs kommt zu dem Schluss, dass durch eine verstärkte Mitwirkung der Verbände vor allem zwei Wirkungen erzielt werden könnten: »Zum einen die Steigerung der Qualität des Regierungshandelns, zum anderen die Ausdehnung und Vertiefung der Legitimation der politischen Ordnung«.
In Berlin gibt es seit dem 1. März 2007 eine neue »Beauftragte für das Bürgerschaftliche Engagement«. Das Amt, das der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zuletzt mit dem Chef der Senatskanzlei André Schmitz besetzt hatte, wird nun von Monika Helbig ausgeübt. Die Berlinerin ist bereits seit dem Jahr 2002 »Bevollmächtigte beim Bund und Europabeauftrage des Landes Berlin« im Rang einer Staatssekretärin, zudem ist sie stellvertretende Chefin der Senatskanzlei.
Halle/Saale, 4.-5. Mai 2007. Die Vorbereitungen für die diesjährige BBE-Schultagung mit dem Thema »Engagierte Bildung – Bildung mit Engagement« sind in der heißen Phase. Programm und Anmeldeformular sind ab sofort online. Die Tagung ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem BBE und der Stiftung Demokratische Jugend. Der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Prof. Dr. Wolfgang Böhmer hat die Schirmherrschaft übernommen und wird die Tagung eröffnen.
Die Agentur für Kommunikation und Marketing »KOM« aus Stuttgart begleitet die BBE-Kampagne zur »Woche des bürgerschaftlichen Engagements 2007« (14. bis 23. September 2007). Die Werbeagentur wird die kommenden Werbeaktivitäten pro bono für das BBE durchführen. Die »Full Service Agentur« mit strategischer Beratung erarbeitete beispielsweise die Werbekampagne »Sport tut Deutschland gut« für den »Deutschen Olympischen Sportbund«. Vertreten wird die Agentur durch die Gesellschafter Reiner X. Sedelmeier und Ludwig Fuchs.
Die Civil Academy ist als eigenständiger Beitrag in das diesjährige »Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle« eingebracht und aufgenommen worden. Somit kann sie auf ihren Veröffentlichungen mit dem entsprechenden EU-Logo werben. Hintergrund ist, dass die Civil Academy diese Thematik bei den eingereichten Projektideen besonders berücksichtigt sowie inhaltlich in ihr Trainingsprogramm integriert. Die nächste Bewerbungsrunde für das Seminarangebot zu Themen wie Projektmanagement, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit, startet voraussichtlich Ende April. Die Civil Academy wurde im Juni 2005 von der deutschen BP und dem BBE ins Leben gerufen.
Der Vorsitzende des Sprecherrates des BBE Prof. Dr. Thomas Olk wird als Laudator bei der Prämierung der Gewinner des bundesweiten Wettbewerbs »startsocial« am 22. März 2007 im Bundeskanzleramt teilnehmen. Vergeben werden sieben Bundespreise in Höhe von jeweils 5.000 €, dazu wurden im Vorfeld aus 100 Stipendiaten 25 Projekte ausgewählt, die an der Bundesprämierung teilnehmen werden. Der Bundeswettbewerb wurde 2006 zum fünften Mal durchgeführt. Bundesminister Dr. de Maiziere und weitere prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft zählen außerdem zu den Laudatoren.
Stadtallendorf, 25. April 2007. Zur Veranstaltung »Standortfaktor Bürgerengagement – keine Angst vor dem demographischen Faktor« lädt die hessische Landesregierung Fach- und Führungskräfte aus hessischen Kommunen ein. Veranstalter ist neben der hessischen Staatskanzlei die »Landesehrenamtsagentur«.
Magdeburg, 25. April 2007. »Bürgerschaftliches Engagement und demografischer Wandel – Chancen und Grenzen für den Kulturbereich« ist das Thema eines Kongresses der »Arbeitsgruppe Bürgerschaftliches Engagement im Kulturbereich in Sachsen-Anhalt«.
Berlin, 1. bis 2. Juni 2007. Zur wissenschaftlich ausgerichteten Veranstaltung »Corporate Social Responsibility im Einzelhandel« lädt das »Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik« ein. Derzeit läuft ein Call for Papers.
Berlin, 23. April 2007. Zum »Tag der Freiwilligendienste im Sport« bietet die »Deutsche Sportjugend« verschiedene Veranstaltungen an, in denen über die Möglichkeiten für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sportbereich informiert werden soll. Derzeit sind über 1.000 junge Menschen in einem Freiwilligendienst im Sport aktiv.
Hamburg, ab 25. April 2007. Nach der »Relevanz der Zivilgesellschaft« wird in einer Veranstaltungsreihe der »Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius« und des »Studium generale der Bucerius Law School« gefragt. Titel: »Von der Macht der Ohnmächtigen«. In fünf Veranstaltungen werden verschiedene Aspekte der Zivilgesellschafts-Debatte beleuchtet. Unter den Referenten ist auch BBE-Geschäftsführer Dr. Ansgar Klein.
750.000 Euro Fördermittel stehen im Jahr 2007 zur Förderung von internationalen Projekten zur Verfügung, die sich um die Verbesserung der Lebenssituation älterer Menschen, insbesondere von Opfern des Nationalsozialismus, in Mittel- und Osteuropa oder Israel bemühen. Vergeben werden die Mittel des Förderprogramms »Hilfsbereitschaft stiften - Internationale Partnerschaften der Altenhilfe in Mittel- und Osteuropa und Israel« vom Fonds »Erinnerung und Zukunft«.
Der nächste Newsletter erscheint in 14 Tagen am 5. April 2007. Redaktionsschluss ist der 30. März. Bitte schicken Sie Ihre Informationen an newsletter@b-b-e.de.
Redaktion Dr. Ansgar Klein und Charlotte Runow für das BBE. Christoph Dowe für die Stiftung MITARBEIT.